Im Restaurant

Mein Herr führt mich heute aus.

Ganz nobel.
Ich sehe phantastisch aus.
Das kleine Schwarze.
Strümpfe.
Pumps.
Das dünne Halsband aus Silber.

Was für ein Restaurant.
Der Kellner führt uns zu unserem Tisch.
Mein Herr nimmt mir das Bolero-Jäckchen ab.
Zieht meinen Stuhl nach hinten.
Ich setze mich.
Er rückt den Stuhl zurecht.
Ganz Gentleman.

Der Kellner nimmt die Bestellung auf.
Zuerst der Wein.
Mein Herr entscheidet.
Ich kenne mich da nicht aus.
Und ich weiß, daß er auch keine Ahnung hat.
Kicher.
Aber er macht das ganz souverän.

Der Wein wird serviert.
Ob wir schon wissen, was wir essen wollen?
Mein Herr bestellt.
Schaut mich dabei immer an.
Fragt mich stumm.
Ich vertraue ihm.
Nicke nur.

Die Suppe.
Schildkröte.
Ich will nicht.
Artenschutz.
Mein Herr schaut mich an.
Ich probiere.
Himmel, ist das lecker.

Ich liebe ihn.
Liebe ihn so sehr.
Ich vertraue ihm.
Ich will bei ihm sein.
Näher.
Ich will es ihm zeigen.
Will es jedem zeigen.

Ich rutsche vom Stuhl.
Gehe auf die Knie.
Kuschle mich an sein Bein.
Hier.
In diesem Nobel-Restaurant.
Wie zuhause.
Lege meinen Kopf auf seinen Oberschenkel.

Ich spüre, wie angespannt er ist.
Wahrscheinlich schaut er sich um.
Vielleicht ist es ihm peinlich.
Das ist mein Platz!
Zu seinen Füßen.
Ich bleibe hier knien!
Seine Hand auf meinem Kopf.

Er entspannt sich.
Streicht mir über den Kopf.
Die andere Hand streichelt meine Wange.
Herr, ich gehöre Dir!
Es ist so schön.
Zu seinen Füßen.
Seine Hände.

Der Kellner serviert die Hauptspeise.
Ich bleibe knien.
Seine Hand fährt über meinen Kopf.
Der Kellner tut, als ob er nichts bemerkt.
Lustig ist das schon.
Kommentarlos geht er wieder.
Ein bißchen bin ich schon stolz auf mich.

Schwäbische Pfanne mit Kalbsmedaillons.
Mein Herr nimmt eine Gabel voll.
Pustet.
Hält sie mir vor den Mund.
Guten Appetit, meine Liebe!
Die erste Gabel für mich!
Ich genieße.

Dann ißt mein Herr.
Dann füttert er mich.
Ißt.
Füttert.
Und ständig streichelt mich seine Linke.
Ich vergesse alles.
Wo wir sind.

Ich bekomme nichts mehr mit.
Ich glaube, es gibt Eis zum Nachtisch.
Mein Herr füttert mich auch damit.
Ich spüre nur ihn.
Meine Demut.
Seine Liebe.
Er paßt auf mich auf.

»Meine Liebe, sie schließen.«
Ich erwache wie aus einem Traum.
Das Restaurant ist schon leer.
Er nimmt mich an der Hand.
Hilft mir auf.
Hält mich.
Trägt mich raus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.